Auf den Spuren der Weißstörche
Auf dem Pfad folgen Sie den Spuren des Weißstorches (Ciconia ciconia). Er verläuft durch das Dorf, an vielen Horsten vorbei, mit Schwerpunkt bei den beiden Kirchen und mit einem Abstecher ins Ried als typisches Nahrungsgebiet.
An mehreren Stationen können Sie die Störche beobachten und Sie erfahren Spannendes über das Leben, Verhalten und den Lebensraum dieser faszinierenden Vögel.
Der Storchenpfad Böhringen verbindet Naturerlebnis mit Bildung und sanftem Tourismus.

Fotografin: Beate Nash
Er stärkt die regionale Identität und sensibilisiert für den Schutz heimischer Arten – eine Bereicherung für Einheimische wie Besucher.
Den Pfad gibt es zunächst in der App Komoot. In der App wird der Pfad beschrieben und es finden sich Informationen zur Storchenkolonie Böhringen. Link zu Komoot: Storchenpfad Böhringen
Es ist geplant, einen Pfad mit Informationstafeln an wichtigen Stationen einzurichten. Dafür werden noch Spender und Sponsoren gesucht: https://storchenpfad-böhringen.de/spendenaktion/
Wie komme ich zum Storchenpfad?
- Start- und Endpunkt des Pfads ist der Bahnhof Böhringen-Rickelshausen. Er kann bequem mit dem Zug erreicht werden. Sowohl aus Richtung Konstanz/Radolfzell als auch aus Richtung Singen verkehrt der Seehas im Halbstundentakt.
- Am Bahnhof sind Park- und Ride-Parkplätze. Besucher, die mit dem Auto kommen, finden dort einen Parkplatz.
- Der Pfad ist ca 3 km lang, Steigungen gibt es keine. Er kann bequem in einer Stunde begangen werden. Der Pfad ist barrierefrei und kann ohne Schwierigkeiten mit Kinderwagen besucht werden.
Der Pfad
Beschreibung des Pfads
Zunächst geht es die Rickelhauserstraße hinauf. Blicken Sie immer mal wieder nach rechts. Vielleicht sehen Sie den ersten Horst. Nach ungefähr 400m biegt man nach rechts ab in den Espelweg und dann gleich wieder links in die Martin-Lutherstraße. An deren Ende erreicht man die evanglische Kirche.
Evangelische Kirche (Position 3 auf der Karte)
Auf dem Dach der Kirche, auf den Dächern der Nachbargebäude und auf den Bäumen sind zahlreiche Horste zu sehen.
Hier lassen sich die Störche aus nächster Nähe beobachten:
- Welche Horste sind besetzt? Sieht man einen oder zwei Störche, oder noch mehr? Wer ist wohl das Männchen, wer das Weibchen?
- Sind im Horst Nestlinge (so nennt man die jungen Störche)? Woran erkennt man die Jungstörche? Wie viele Nestlinge sind es? Können Sie die Eltern bei der Fütterung beobachten? Wie werden die Nestlinge gefüttert?
- Wie wird ein Storch begrüßt, wenn er zum Horst zurückkehrt, achten Sie auf das Klappern!
- Welche Farbe haben die Storchenbeine?
Zum Weiterlesen
- Die ersten Störche kommen Anfang März zurück, April ist Legezeit, die Brutzeit geht bis Mitte Mai, daran schließt sich die Nestlingzeit an, sie geht dann bis Ende August.
- Männchen und Weibchen sind schwer zu unterscheiden. Wenn beide Vögel im Horst sitzen, kann man vielleicht einen Größenunterschied erkennen: Das Männchen ist etwas größer und das Männchen hat einen etwas längeren Schabel. Einfacher ist die Geschlechterbestimmung bei der Paarung: Das Männchen steigt auf den Rücken des Weibchens. Die Jungstörche erkennt man am schwarzen Schnabel und den schwarzen Beinen.
- Störche haben rote Beine. Sieht man einen Storch mit schwarzen Beinen, handelt es sich um einen Jungstorch. Störche mit weißen Beinen haben Sonnencreme aufgetragen: An heißen und sonnigen Tagen bespritzen Störche ihre Beine mit Kot. Das kühlt, zudem reflektiert das Weiß des Kots die Sonnenstrahlung.
- Typischerweise hat jedes Storchenpaar zwei bis drei Nestlinge.
- Die Elternstörche transportieren das Futter in ihrem Kropf. Angekommen im Nest, senkt der Altvogel seinen Kopf, würgt das Futter heraus, auf das sich dann die Jungen stürzen. Kleine Störche bekommen kleines Futter: Würmer, kleine Insekten, Spinnen, Schnecken, …; größere Jungstörche zusätzlich größeres Futter: Mäuse, Frösche, …
- Den Weißstorch nennt man auch Klapperstorch. Bestimmt, weil das Klappern das auffälligste Merkmal des Weißstorches ist. Im Unterschied zu vielen anderen Vögeln, fehlt dem Storch der Stimmkopf und die Stimmbänder. Er kann also nicht singen. Stattdessen nutzt er das Klappern zur Kommunikation: Zur Begrüßung, zur Abwehr von Artgenossen und zur Warnung vor Greifvögeln, … .
Der erste Horst von Böhringen (4)

Fotografin: Beate Nash
Halten Sie jetzt Ausschau nach einem ehemaligen Strommast mit Horst. 1983 baute der erste Böhringer Storch seinen Horst auf diesem Mast mitten im Dorf. Ist er besetzt? Ja! Somit ist dies der erste dauerhaft besetzte Horst in Böhringen. Beeindruckend: Manchmal nutzen Störche einen Horst bis zu 60 Jahre lang!
In der Nähe des Mastes befindet sich ein Schaukasten, der vom ehemalingen Storchenbeauftragen Hanspeter Wickert betreut wird. Darin finden sich Informationen zur Storchenkolonie Böhringen
Zum Weiterlesen
Störche benutzen denselben Horst immer wieder, setzen aber jedes Jahr ein „neues Stockwerk“ auf. So wird der Horst immer höher und schwerer – ein Horst kann bis zu einer Tonne wiegen! In unteren Stockwerken bieten sich dann Wohnmöglichkeiten für Vögel und Insekten.
Der Horst hier beim Mast wird ungefährt alle 10 Jahre entfernt (bevor er runterfällt). Das stört den Storch nicht, er baut dann an gleicher Stelle einen neuen Horst.
Jetzt geht es weiter in Richtung Singener Straße, dort angekommen sieht man rechts die St. Nikolaus-Kirche (6) und links ein Kriegerdenkmal (5), welches die nächste Station ist.
Kriegerdenkmal (5)
2024 baute ein Storchenpaar einen Horst auf dem Kriegerdenkmal – das hat nicht allen gefallen.
Deshalb wurde 2025 eine Plattform neben dem Denkmal errichtet. Im 2026 gibt es auf der Plattform einen Horst, der auch besetzt ist.
Der Pfad führt nun weiter zur St-Nikolaus-Kirche.

Fotografin: Beate Nash
St. Nikolaus-Kirche (6)
Auf ihrem Dach gibt es mindestens vier Horste. Wie viele Störche sind gerade auf den Dächern zu sehen? Manchmal sieht man bis zu 10 Störchen. Sie scheinen die Aussicht zu schätzen …
Oft sieht man von hier aus Störche, die hoch am Himmel über dem Dorf in der Thermik segeln.
Auf Dächern sammeln sie sich gerne vor dem Abflug in die Wintergebiete.
Fotografin: Beate Nash
Zum Weiterlesen
Oben auf dem Dach der Kirche sieht man den Bodensee. Die Sicht reicht bis zum Schienerberg, dem Bodanrück und bis zu den Hegaubergen. Mit seinen guten Augen überblickt der Storch von hier oben ein weites Nahrungsgebiet. Sieht er in der Ferne andere Störche bei der Futtersuche oder einen Bauern beim Mähen, dann segelt er los.
Störche sind perfekte Segler. Ohne mit den Flügeln zu schlagen, ziehen sie in der Thermik ihre Kreise, schrauben sich höher und höher. So überblicken sie immer weitere Landschaften. Aus solch großer Höhe können die Störche dann weite Strecken im Gleitflug zurücklegen und entfernte Nahrungsgebiete erreichen.
Man folgt dem Pfad indem man einige Schritte weiter in den Durchgang hinter der Kirche in Richtung Fritz-Kleiner-Straße geht. Man gelangt in einen ruhigen und schattigen Innenhof.
Auch dort kann man einen Horst sehen. Vielleicht lebt dort ein Storchenpaar, das es etwas zurückgezogener und ruhiger mag.
Von der Fritz-Kleiner-Straße geht man nach einem kurzen Abstecher zum Rathaus in den Achweg. Entlang des Mühlbachs spaziert man bis zum Kindergarten St. Nikolaus und von dort weiter zu den Feuchtwiesen (7 und 8) und das Ried um Böhringen.
Nahrungsgebiet der Störche (7 und 8)
Lassen Sie ihren Blick schweifen über die ausgedehneten Wiesen und Riedflächen, die das Dorf umgeben.
Halten Sie Ausschau nach Störchen, die in den Wiesen nach Futter suchen. Oft sieht man auch Störche in der Luft, die von ihren Horsten zur Nahrungssuche weg fliegen oder zurückkehren.
Böhringen ist für seine landwirtschaftlich geprägte Umgebung, Streuobstwiesen, Feuchtwiesen und die Nähe zum Bodensee bekannt – ideale Bedingungen für Störche. Dort finden sie ausreichen Nahrung.

Fotografin: Beate Nash
Zum Weiterlesen
Die weiträumigen Streuobstwiesen und Feuchtwiesen um Böhringen sind ein Grunde dafür, dass es in Böhringen so viele Störche gibt: „Den höchsten Bruterfolg verzeichnen Weißstörche, wenn optimale Nahrungsgebiete im Umkreis von maximal zwei Kilometern zum Horst liegen.“[1]
Studien mit besenderten Störchen aus Böhringen zeigen, dass die Nahrungsgebiete bis in die Höri und in die Schweiz, bis zum Mindelsee und zum Weitenried bei Volkertshausen reichen. Das heißt, dass Störche bei der Nahrungssuche Strecken von bis zu 20km zurücklegen.
Auch das in der Nähe befindliche Aachried ist ein bedeutendes Nahrungsgebiet für die Böhringer Störche.
Als Allesfresser (tierische Nahrung) fressen Störche alles was kreucht und fleucht: Insekten, Käfer, Grillen, Engerlinge, Schnecken, Spinnen, Heuschrecken, Würmer, Mäuse, kleine Maulwürfe, Hamster, Schlangen, Blindschleichen, Eidechsen, Fische, Frösche, Kaulquappen und auch fliegende Beute wie kleine Vögel und Libellen.
Ein Storch mit einem durchschnittlichen Gewicht von 3.5kg braucht täglich ungefähr 0.5kg Nahrung. Ein Jungstorch doppelt so viel.
In Böhringen gibt es nicht nur viele Störche, sondern auch Biber. Einige leben hier im Mühlbach. Vielleicht sehen Sie ja einen oder ihre Spuren.
Am Ende des Abstechers ins Ried befindet sich links am Mühlbach eine schattige Bank. Dort kann man pausieren und den Bach, das Grün der Vegetation und den Gesang der Vögel auf sich wirken lassen.
Rückweg zum Bahnhof
Für den Rückweg kann man entweder weiter in die Wiesen laufen. Man unterquert die Bahngleise. Wenn man danach nach rechts abbiegt, läuft man durch die Wiesen zum Bahnhof zurück.
Oder man geht wieder zurück bis zum Kindergarten, biegt dann nach links in den Brünneleweg. Nach ca. 200m trifft man auf die Paul-Gerhard-Straße, in die man einbiegt.
Dort sieht man eine rote Schuppenwand, auf der ein Plakat angebracht ist (Position 3 auf der Karte). Scannen Sie doch mal die QR-Codes!
- Der erste führt auf eine Website mit Infos zu Störchen: https://storch.tootor.de/
- Der zweite zu einen Quiz über Störche: https://storch.quiz.tootor.de/
Jetzt biegt man gleich wieder nach links ab und folgt dem Brünnleweg, bis er auf den Espelweg trifft. Auf den biegt man an ein und läuft auf dem gleichen Weg wie dem Hinweg zurück zum Bahnhof.
Quellen und weitere Informationen zu Störchen
- Viele Informationen zu den Böhringer Störchen stammen aus Texten und Vortragsfolien von Thomas Giesinger.
- Hanspeter Wickert, mündlich bei einer Führung durch die Storchenkolonie am 20.06.2026
- Auf der Internetseite von Euronatur findet sich ein Steckbrief des Weißstorches: https://www.euronatur.org/unsere-themen/vogelschutz-in-europa/steckbrief-weissstorch-ciconia-ciconia, zuletzt abgerufen am 21.06.2026
- Quelle für wörtliche Zitate[1]: Heer, Lorenz (2024). Der Weißstorch: Ein Zugvogel im Wandel, Haupt Verlag


